Die Hüftgelenksdysplasie (HD)
Dr. Alexander Koch
(Aspekte zur Diagnostik, Interpretation und zu beeinflussenden Faktoren )
Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine Erkrankung, bei der Oberschenkelkopf und die
Hüftgelenkspfanne nicht aufeinander abgestimmt sind. Diese Fehlbildung (Dysplasie) ist die
häufigste Erkrankung der Hüftgelenke.
Verbreitung findet die HD bei nahezu allen Rassen. Symptome treten am deutlichsten bei
den größeren Hunderassen (z. B Deutscher Schäferhund, Bernhardiner usw.) auf.
HD-Röntgen:
Bis heute stellt das Röntgen das zuverlässigste und zugleich praktikabelste Verfahren zur
Diagnose der HD dar. Andere Methoden wie beispielweise die Ultraschall,- CT- und MRTDiagnostik
sind derzeit für die HD-Diagnostik noch nicht standardisiert oder nicht praktikabel.
Der Hund sollte zur endgültigen Begutachtung das erste Lebensjahr vollendet haben, da
frühestens zu diesem Zeitpunkt mit einer vollständigen Entwicklung der Gelenke zu rechnen
ist.
Das sogenannte Vorröntgen vor dem ersten Lebensjahr kann ab der sechzehnten
Lebenswoche Hinweise auf eine HD geben. Genauere Abstufungen und eine
hundertprozentige Aussage können aber vor dem zwölften Lebensmonat nicht gemacht
werden, da sowohl Verbesserung als auch Verschlechterungen möglich sind. Das
Vorröntgen ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Hund bereits auffällig ist und
Gangbildveränderungen zeigt, um beispielsweise eine chirurgische Korrektur erwägen zu
können.
Ab der siebten Lebenswoche ist es möglich, manuell die Stabilität der Hüftgelenke zu
überprüfen (z.B. Ortolani-Test). Mit diesen Untersuchungen kann man erste Hinweise auf
eine Lockerung des Gelenkes oder eine Fehlstellung der Hüftgelenke erhalten. Die
endgültige Diagnose bringt jedoch ausschließlich das Röntgenbild nach vollendetem
Wachstum.
Bei Hündinnen sollte das HD-Röntgen während einer Läufigkeit vermieden werden. Ob und
in welchem Maße die Läufigkeit Einfluss auf das HD-Ergebnis nimmt, ist umstritten. Da die
Östrogene zu einer Auflockerung des Bindegewebes führen, kann aber nicht mit Sicherheit
ein Einfluss auf die röntgenologische Darstellung der Hüftgelenke ausgeschlossen werden.
Für die Röntgendiagnostik ist eine Narkose zwingend vorgeschrieben, um eine optimale
Lagerung und vor allem eine ausreichende Muskelentspannung zu erreichen. Es ist
durchaus möglich, dass sich Hüftgelenke zur Begutachtung schlechter darstellen, wenn
keine Muskelerschlaffung vorgelegen hat.
Das Risiko dieser Narkose für den Hund ist bei richtiger Anwendung der Medikamente und
Vorsorge sehr gering. Es ist im Allgemeinen keine tiefe Vollnarkose, die zur Durchführung
größerer Operationen ausreicht, notwendig, meist reicht eine Sedierung (Beruhigung) des
Hundes, die nach dem Röntgen aufgehoben (antagonisiert) werden kann. Dies erspart dem
Tier zudem Stresszustände, die durch die Manipulation der untersuchenden Personen
ausgelöst werden können.
Vor der Narkose (Sedierung) erfolgt eine Untersuchung des Hundes auf Narkosefähigkeit
durch den Tierarzt. Der Hund sollte nicht im narkotisierten Zustand nach dem Röntgen
mitgenommen werden. Es muss dem Hund möglich sein, nach der Narkose und der
Antagonisierung die Praxisräume selbständig zu verlassen.
Das HD-Röntgen erfolgt durch zwei Personen, die jeweils an den Vordergliedmaßen und
Hintergliedmaßen positioniert sind.
Es sind zur Zeit zwei Standardlagerungen bzw. Röntgenaufnahmen für die
Röntgendiagnostik etabliert und vorgeschrieben. Dies ermöglicht eine einheitliche
Interpretation und Begutachtung.
Die Aufnahme in gestreckter Haltung (Position I) wird für gewöhnlich als HD-Aufnahme
verlangt. Der Hund wird auf dem Rücken symmetrisch gelagert, die Gliedmaße gestreckt
sowie die Kniegelenke eingedreht.
Mit dieser Art von „Stressaufnahme“ können einerseits etwaige Lockerheiten der Hüftgelenke
erkannt werden, andererseits ermöglicht das Eindrehen der Kniegelenke die Darstellung des
überwiegenden Teils des Oberschenkelhalses.
Die Aufnahme in gebeugter Haltung der Hintergliedmaßen (Position II) wird meist zur
Ergänzung und bei Obergutachten herangezogen (Abb.2). Sie ermöglicht, Anteile des
Oberschenkelkopfes und des Oberschenkelhalses detaillierter darzustellen.
Voraussetzung für ein objektiv auswertbares Röntgenbild ist eine korrekte Lagerung des
Hundes sowie eine optimale Röntgentechnik. Hierzu bedarf es auch einer gewissen Routine,
Erfahrung und Kenntnis des röntgenden Tierarztes.
Abb. 1.: Röntgenaufnahme in Position I (Standardaufnahme)
Abb. 2: HD-Aufnahme Position II (gebeugt).
Jede nicht korrekte Positionierung kann zu einer Veränderung der Hüftgelenkssituation
führen und erschwert eine objektive Beurteilung. Eine fehlerhafte Lagerung kann auch hier
durchaus zu einer Aufnahme führen, die das Gelenk schlechter aussehen lässt, als es in
Wirklichkeit ist.
In solchen Fällen ist zu entscheiden, ob die vorliegende Aufnahme eine objektive Beurteilung
noch zulässt. Die Technik und Lagerung sollte daher mindestens ausreichend sein.
Aspekte zur HD-Bewertung:
Um eine möglichste einheitliche Bewertung zu gewährleisten, wurden mehrere
Klassifizierungsschemata entworfen. Dazu gehört zum einen das in Deutschland gültige
Schema der F.C.I. (Fédération Cynologique Internationale) sowie das
Klassifizierungsschema nach Flückiger, welches ähnlich dem Britischen System der BVA auf
einem Punktesystem beruht und modifiziert bzw. verbessert wurde.
Die Beurteilung erfolgt anhand klar definierter anatomischer Stellen (Kriterien) am
Hüftgelenk. Die Befunde werden je nach Schwere in verschiedene Stufen eingeteilt und
bestimmen den HD-Grad der Hüftgelenke.
Einige Kriterien der Beurteilung sollen kurz erläutert werden:
Der sogenannte Norbergwinkel setzt den Mittelpunkt des Oberschenkelkopfes in Bezug zum
Schnittpunkt des oberen mit dem vorderen Pfannenrand. (Abb. 3). Dieser Winkel sollte
mindestens 100°, idealer Weise 105° betragen. Ein niedrigerer Winkel kann ein Hinweis auf
ein lockeres Hüftgelenk sein, weil in diesem Fall der Oberschenkelkopf weniger tief in der
Hüftgelenkspfanne sitzt.
Abb. 3: Norberg-Winkel
Ein weiteres Kriterium ist die Lage des Zentrums des Oberschenkelkopfes (FKZ =
Femurkopfzentrum, Femur = Oberschenkel) in Bezug zum oberen Pfannenrand. Je nach
Ausmaß kann das Zentrum entweder innerhalb (normal), auf oder außerhalb der oberen
Pfannenrandbegrenzung liegen. Auch hier spricht ein außerhalb liegender Mittelpunkt des
Oberschenkelkopfes für eine Lockerheit des Hüftgelenkes.
Meist ist eine sogenannte Divergenz zu sehen. Im Gegensatz zu der Konvergenz bei
gesunden Gelenken mit engem und gleichmäßigen Gelenkschluss spricht man bei einem
weiten Gelenkspalt, der im Verlauf größer wird, von einer Divergenz. Zudem werden der
vordere Pfannenrand, der Oberschenkelkopf, der Kopf-Hals Übergang sowie der
Oberschenkelhals auf Form und eventuelle Zubildungen (Arthose) untersucht und beurteilt.
Arthose entsteht beispielweise, wenn ein Gelenk eine Instabilität (Lockerheit) aufweist und
dadurch mit der Bildung von Knorpel- und Knochengewebe reagiert.
Ein erstes Anzeichen einer Arthose kann zum Beispiel die sogenannte Morgan Linie sein
(weiteres Beurteilungskriterium). Bei einer Gelenkslockerheit und einem damit verbundenen
vermehrten Zug auf den Ansatz der Gelenkkapsel am Oberschenkelhals stellt sich dieser
Ansatz meist röntgenologisch als mehr oder weniger feine Linie dar (Abb. 4).
Abb. 4: Hüftgelenk mit deutlicher Divergenz (weiter und ungleichmäßiger Gelenkspalt),
außerhalb liegendem Zentrum des Oberschenkelkopfes (FKZ), Morgan Linie und
Zubildungen an Oberschenkelhals und Hüftgelenkspfanne.
Anhand der genannten Kriterien werden die Hüftgelenke beurteilt. Als Bewertungssschema
hat sich in Deutschland die folgende Einteilung durchgesetzt:
A = HD-frei (normale Hüftgelenke)
B = Übergangsform, Grenzfall (definitionsgemäß noch keine HD)
C = leichte HD
D = mittlere HD
E = schwere HD
Eine tendenzielle Einteilung kann durch die Ergänzung mit Buchstaben zum HD Befund
erfolgen: z. B.: B1 ( tendenziell zum A) B2 tendenziell zum C.
Das jeweils schlechtere Gelenk bestimmt den HD-Grad.
Berücksichtigt wird das Alter des Hundes dahingehend, als dass leichte Veränderungen bzw.
Lockerheiten bei einem älteren Hund beispielweise ab zwei Jahren weniger schwer
gewichtet werden, als bei einem gerade einjährigem Hund mit deutlichen Anzeichen von
Arthrose und Inkongruenz. Wenn bei jungen Hunden schon deutliche Veränderungen der
Hüftgelenke sichtbar sind, geht man von einer entsprechend negativen Veranlagung und
weiteren Entwicklung der Gelenke aus.
Des weiteren sind rassespezifische Unterschiede zu berücksichtigen, da sich die
Hüftgelenke anatomisch bei einigen Rassen insbesondere bezüglich der Form des
Oberschenkelkopfes und der Ausprägung der Hüftgelenkspfanne erheblich unterscheiden.
Abb. 5:
HD A (frei), enger und konvergenter Gelenkspalt, nachfassender vorderer Pfannenrand
Abb. 6:
HD B (Verdächtig für HD): Divergenter, nicht gleichmäßig eng verlaufender Gelenkspalt.
Abb. 7:
Mittlere bis schwere HD: Kopf ist deformiert, Arthosebildung
Bedeutung des HD-Ergebnisses:
Die HD-Untersuchung ist ein radiologisches Gutachten, dem die Befundung einer
Momentaufnahme der Hüftgelenkes eines Hundes im gewöhnlich relativ jungem Alter zu
Grunde liegt. Anhand dieser Untersuchung soll verhindert werden, dass Hunde mit HD zum
Zuchteinsatz kommen. Ziel ist es, eine Begutachtung über den Zuchtwert der Hüftgelenke zu
treffen.
Die Aussage des HD-Befundes über die weitere Entwicklung und die Bewegungsfähigkeit
des jeweiligen Hundes muss differenziert werden.
Eine HD geht nicht zwangsläufig mit offensichtlicher Lahmheit und Bewegungsstörungen
einher. Grundsätzlich steigt aber die Wahrscheinlichkeit von Arthosen, Schmerzen und
Gangbildveränderungen mit dem Schweregrad der HD. Bei Hunden mit einem HD Befund
„B“ (Übergangsform) sind in den allermeisten Fällen keine Arthosen und folglich Schmerzen
mit Lahmheiten sowie Bewegungsstörungen zu erwarten, während bei steigendem HD-Grad
die Wahrscheinlichkeit für Arthosen und Lahmheiten auch noch nach Jahren zunimmt.
Beeinflussend können jedoch Faktoren wie Gewicht und Größe des Tieres, Bemuskelung,
Art der Bewegung (Beanspruchung) wirken.
Kleinere und leichtere sowie gut bemuskelte Hunde zeigen häufiger auch nach Jahren
keinerlei Symptome trotz teilweise schwerer HD.
Ab einer leichten HD können Verhaltensmaßregeln wie Gewichtsreduktion, gezielte
Bewegung (kein übermäßiges Springen und Toben) keine Extrembelastungen hilfreich sein
und zu einer Symptomarmut führen.
Bei schwereren Formen der HD, insbesondere wenn schon beim jungen Hund deutliche
Arthosebildungen und klinische Probleme wie Lahmheiten und Bewegungsstörungen
auftreten, muss entschieden werden, ob und wann chirurgische Maßnahmen angewendet
werden sollen.
Einfluss des HD-Befundes der Elterntiere auf den HD-Befund der Nachkommen:
Das Risiko für die Nachkommen, eine HD zu ererben, steigt, je mehr Elterntiere und
Vorfahren von HD betroffen sind. Auch die Befallschwere der Nachkommen erfährt mit
zunehmendem HD-Grad der Elterntiere eine generelle Steigerung.
Die HD-Befunde der Nachkommen fallen um so schlechter aus, je ungünstiger sich die HDGrade
der Großeltern und deren Wurfgeschwister darstellen. Je mehr Merkmalsträger in
einer Familie auftreten, desto größer ist die Konzentration entsprechender Gene und die
Wahrscheinlichkeit für die Nachkommen, HD zu erben.
Zudem können bei Verpaarungen von Hunden mit dem Befund Übergangsform (B) eine
höhere Häufigkeit und Befallschwere bei den Nachkommen zu erwarten sein als bei HD
freien Elterntieren.
Hinsichtlich der Vererbung spielt es keine Rolle, ob Mutter oder Vatertiere betroffen sind.
Festzuhalten bleibt jedoch, dass populäre Zuchtrüden meist mehr Nachkommen haben als
Hündinnen und so potentiell HD zahlreicher vererben und weiterverbreiten können. Die
Zucht mit verdächtigen bzw. befallenen Tieren führt zu einer Stagnation der Verminderung
von HD.
Beeinflussung der HD durch sogenannte Umweltfaktoren:
Häufig stellt sich die Frage, welche anderen Faktoren außer der genetischen Komponente
die HD beeinflussen. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei das Wachstum sowie das Gewicht der
Hunde auf der einen und die Art der Bewegung und die Bewegungsrate auf der anderen
Seite. Die Wachstumsrate und jugendliches Übergewicht können die Hüftgelenksentwicklung
der Welpen gerade mit einer genetischen Veranlagung zur HD deutlich beeinflussen.
Häufig führt ein schnelles Wachstum der Welpen und Junghunde besonders bei genetisch
schon betroffenen Tieren zu einer deutlicheren Ausprägung bzw. Verschlimmerung der HD.
Auch andere Skelettentwicklungsstörungen können durch eine zu hohe Wachstumsrate
insbesondere durch zu energiereiche Nahrung negativ beeinflusst werden. Hierzu gehören
beispielweise die ED (Ellbogendysplasie) und OCD (Osteochondrosis dissecans).
Hat ein Hund eine genetisch optimale Gelenksveranlagung, wird sich sicherlich auch durch
ein sehr energiereiches Überangebot an Futter nichts daran ändern. Bei Hunden mit einer
ungünstigern Hüftgelenksanlage kann sich aber durchaus die Gelenkssituation
verschlechtern.
Es empfiehlt sich daher bei Welpen und Junghunden grundsätzlich eine bedarfsgerechte,
aber eher restriktive Fütterung, gerade wenn man ein sehr schnelles Wachstum registriert.
Hierbei ist es ratsam, kleinere Portionen zu füttern, Welpenfutter relativ früh auf
Erwachsenenfutter umzustellen, auf Energiegehalte des Futters, insbesondere den Fett- und
Kohlehydratanteil sowie die Proteingehalte zu achten.
Zusatzfutter wie Vitaminpräparate und Mineralergänzungsfutter wie beispielsweise Calizium
sind in aller Regel nicht notwendig.
Eine ausgeglichene reduzierte Ernährung und das frühe Absetzen von Welpenfutter führt
nicht zu einer geringeren Endgröße des Hundes.
Es stellt sich häufig die Frage, inwieweit die Bewegungsform und -dauer die
Gelenkentwicklung beeinflussen. Hohe Dauerbelastung wie sehr langes Laufen oder zu
frühes intensives Training können beim Junghund insbesondere bei genetisch vorbelasteten
Tieren die Ausprägung der HD begünstigen. Hierbei wäre die tägliche spielerische
Bewegungsaktivität nach den Bedürfnissen des jungen Hundes ähnlich der Situation im
natürlichen Verband anzuraten. Zu frühe exzessive Bewegung sollte vermieden werden.
Zudem sollten die Welpen und heranwachsenden Hunde auf überwiegend weichen Böden
gehalten werden. Rutschige, glatte und harte Böden wie Fliesen sollten vermieden werden,
da das häufige Ausgleiten und Spreizen der Hintergliedmaßen eine vermehrte
Krafteinwirkung auf die noch unreifen Hüftgelenke zur Folge hat.
Zusammenfassung:
Bei der Hüftgelenksdysplasie handelt es sich um eine Fehlbildung der Hüftgelenke, die
beidseits aber auch einseitig betroffen sein können. Die HD ist eine überwiegend erblich
bedingte Erkrankung, die polygen durch mehrere Gene vererbt wird.
Die Ausprägung der HD kann jedoch auch von Umwelteinflüssen wie Körpergröße,
Wachstum, Gewicht und der Ernährung sowie der Art und Menge der Bewegung des
Hundes beeinflusst werden. Bedingt kann man die Skelettentwicklung bei verdächtigen
Hunden beeinflussen und einer HD entgegenwirken (rutschige Böden vermeiden,
ausgeglichene Ernährung).
Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, HD zu entwickeln, bei Nachkommen HD betroffener
Eltern größer. Zudem nimmt die Ausprägung der HD von Generation zu Generation zu,
sodass die Nachkommen häufig schlechtere Hüftgelenke entwickeln als ihre Eltern und
Vorfahren.
Es ist jedoch auch möglich, dass Generationen übersprungen werden und Nachkommen von
gesunden Elterntieren HD entwickeln können, wenn Vorfahren weiter zurückliegender
Generationen betroffen waren.
Die endgültige Diagnose der HD, insbesondere zur Zuchtzulassung, erfolgt durch die HDAuswertung
frühestens nach Beendigung des ersten Lebensjahres anhand des erstellten
Röntgenbildes.
Die herkömmliche HD-Begutachtung anhand von Röntgenbildern ist nach wie vor zur
standardisierten HD Diagnostik am besten geeignet.
Die HD-Auswertung ist sicherlich nicht frei von Fehlern. So hängt die Auswertung
nachweislich auch vom Gutachter ab. Dies ist hinsichtlich der Fülle von Erscheinungsformen
auf Röntgenbildern nicht verwunderlich. Zum anderen ist eine exakte HD-Befundung von
einem korrekt angefertigten Röntgenbild hinsichtlich Lagerung des Hundes und technischer
Qualität abhängig. Die GRSK (Gesellschaft zur Röntgendiagnostik erblich bedingter
Skeletterkrankungen, ehemals Hohenheimer Kreis) versucht durch eine Kenntnisprüfung,
regelmäßige Arbeitstreffen mit Fortbildung sowie durch die Erstellung von standardisierten
Auswertungsschemata die HD-Auswertung abzustimmen und zu vereinheitlichen. Das Ziel
sollten objektive HD-Gutachten nach einheitlichen Richtlinien und mit Augenmaß sein.
Ein HD-Ergebnis macht keine direkte Aussage über den weiteren Krankheitsverlauf oder die
Symptome des Hundes. Der HD-Befund dient zum einen als ein Teil der Zuchtauslese und
kann zum anderen zur Prognose herangezogen werden. Ein schlechter HD- Befund sollte
als wertvolle Information und als Warnsignal für die Hundezucht und nicht als Niederlage
oder Kritik verstanden werden. Auch wenn es schwer fällt, einen vielversprechenden Hund
aufgrund des HD-Ergebnisses nicht zur Zucht zu verwenden, lohnt es sich auf alle Fälle, im
Zweifelsfall einen Schritt zurückzugehen und im Sinne der Rasse und folgender
Generationen noch mal von vorne anzufangen.
In vielen Fällen kann bei einer Hüftgelenksdysplasie durch gezielte Maßnahmen wie Gewicht
halten, gezielte Bewegung und in schweren Fällen durch spezielle Operationstechniken ein
Leben bei gutem Allgemeinbefinden und ohne Schmerzen auch ohne Zuchteinsatz
gewährleistet werden.
Ausblick in die Zukunft:
In Zukunft ist im Rahmen der HD-Diagnostik und Auswertung einiges zu erwarten.
Die digitalisierte Röntgentechnik wird das herkömmliche analoge Röntgen aus gutem Grund
verdrängen.
Das digitalisierte Röntgen ist eine Technik, die in der Humanmedizin zum Standard
geworden ist und in der Veterinärmedizin auch immer mehr Einzug halten wird. Es gibt
hierbei mehrere Systeme. Das modernste und effektivste ist mit einer Digitalkamera zu
vergleichen. Ein angefertigtes Röntgenbild wird über eine Detektorplatte, die die
herkömmliche Röntgenplatte mit Film ersetzt, auf einem Monitor projiziert und kann
hinsichtlich Helligkeit und Kontrast bearbeitet und abgespeichert werden. Die Bilder dürfen
aus rechtlichen Gründen wie bei anolgen Bildern nicht mehr veränderbar sein. Diese Technik
macht Filme sowie Chemikalien zur Entwicklung unnötig und entlastet die Umwelt. Die
Digitalisierung der Bilder erlaubt zudem eine effektivere und bessere Bildbearbeitung sowie
Archivierung. Dadurch wird sehr viel Zeit gespart. Meist müssen gerade beim HD-Röntgen,
insbesondere wenn korrekturbedingt mehrere Bilder angefertigt werden, die Hunde weniger
lang im narkotisierten Zustand gehalten werden, da man mit Hilfe der Detektorplatte die
Röntgenaufnahmen direkt auf dem Bildschirm hat und nicht noch entwickeln muss. Die
Schwierigkeit der HD-Befundung anhand digitaler Bilder liegt derzeit noch darin, dass auf
den Befundungsmonitor weder die Mittelpunkte der Oberschenkelköpfe eingezeichnet
werden können noch eine genaue Winkelmessung durchzuführen ist. Alle angefertigten
Bilder müssen deshalb zur Zeit zwingend ausgedruckt werden. Dies wird sich durch
entsprechende Bildbearbeitungsprogramme in naher Zukunft sicherlich ändern. Es ist zu
erwarten, dass Röntgenaufnahmen online mit digitalisierten HD-Bögen ausgewertet werden.
Weiterhin wird die HD-Diagnostik in den nächsten Jahren gewiss eine Ergänzung durch die
Gentechnik erfahren. Derzeit wird der genetische Nachweis der HD intensiv erforscht, birgt
jedoch durch den polygenen Charakter der Erkrankung erhebliche diagnostische
Schwierigkeiten. Genetische Nachweise müssen deshalb wie alle Neuerungen in der
Medizin mit der nötigen sachlichen Zurückhaltung hinterfragt und objektiv betrachtet werden,
insbesondere da auf diesem Gebiet eine Menge Geld zu verdienen ist. Gerade die
Fortschritte in der Genforschung haben häufig ernüchternd ihre Grenzen aufgezeigt.
In welchem Maße der Gennachweis die HD-Diagnostik ergänzen oder gar ersetzten wird,
bleibt derzeit noch ungewiss. Ich bin jedoch sicher, dass der Einfluss und die Bedeutung der
Gendiagnostik in den nächsten Jahren zunehmen wird.
Bei allen technischen Neuerungen und Möglichkeiten sollte es auch in Zukunft den
Zuchtverantwortlichen am Herzen liegen, eine gesunde Nachzucht durch die genaue
Registrierung, Hinterfragung und ehrliche Veröffentlichung