Gefährliche Kampfhunde......


Dieser Artikel stammt aus "Partner Hund", Heft Nr. 10, geschrieben von G. Beckmann

Gefährliche Hunde gibt es nicht- aber gefährliche Situationen

Durch tödliche Hundebisse starben in den letzten 18 Jahren 27 Menschen. Deutsche Schäferhunde waren in neun Fällen die "Täter", siebenmal Rottis, viermal Mischlinge, dreimal so genannte "Kampfhunde". Zweimal waren es Jagdhunde, Deutsche Doggen beteiligt, einmal ein Rudel Huskys und ein Labrador. Halt!, rufen die Schäferhund-, Rotti- und Mischlings-Fans: Unsere Rassen zusammen machen ja auch dreiviertel der Hundepropulation hierzulande aus. Da ist es ja nicht verwunderlich, wenn sie auch an drei Vierteln der Unfälle beteiligt sind. Und damit haben sie Recht.

Allerdings: Über die Hunde, die Hunderassen, die Hundehaltung hier ist so gut wie gar nichts bekannt. Man weiß nicht, wie viele Hunde, wie viele Rassen es gibt. Man weiß nicht, wie viele Hunde welchen Rassen angehören. Man weiß noch nicht einmal, was eine Rasse und was ein Mischling ist. Das Einzige, was man offiziell weiß, ist, wie viele Welpen welcher Rassen jährlich im VDH zur Welt kommen. Aber... aus dem VDH stammen nur etwa 25% aller Hunde....

Bei so viel Unsicherheiten verbietet sich das 1+1-Zusammenzählen von allein. Vielmehr braucht man normierbare statistische Methoden, die die Häufigkeit der Rasse in Beziehung setzen zu der Häufigkeit der Vorfälle. Dann ergibt sich zwar Folgendes: "Spitzenreiter" sind so genannte " Kampfhunde". Schäferhunde und Rottis beißen, statistisch gesehen, " nur durchschnittlich", Mischlinge sogar deutlich weniger. Aber diese normierten Rangskalen haben zwei Nachteile: Da die Zahl der "Vorfälle" so gering ist, sind sie- statistisch gesehen- nur als Hinweis und mit Vorsicht zu interpretieren... Und: Ob die Rassenangaben stimmen oder nicht, das kann niemand garantieren. Ich bin ziemlich sicher, bei genauerem Hinsehen würde sich einiges verschieben... und die Zahl der "Mischlinge" würde steigen... Ein einzelner gehaltener Hund war in 13 Fällen " der Täter"(=48%), zwei und mehr Hunde 14 mal. Das heißt: Die knappe Mehrheit (52%) der Unfälle geht auf Hunde zurück, die mit mindestens einem Artgenossen im Rudel zusammenleben. Achtmal (33,3%) waren im Haus gehaltene Hunde " Haushunde" die "Täter". Dreimal lässt sich über die Art der Haltung nichts sagen. Aber 16-mal (66,6%) wurden diese Hunde als "Zwinger-Auslauf oder Kettenhunde" gehalten.

Offizielle Vergleichszahlen zur Mehrfachhundehaltung hier zu Lande gibt es nicht. Aber sie dürfte- nach allen Unterlagen- etwa 15% ausmachen. Angaben wie viele Hunde im Zwinger, im Auslauf, an der Kette gehalten werden, gibt es erst recht nicht. Aber das diese Art von Hundehaltung bei uns eher die Ausnahme als die Regel ist, kann ja jeder sehen.

Welche Hunde beißen also? Es sind meist Zwingerhunde, oft im Rudel.
Außerhalb ihres Reviers, bissen Hunde nur sechsmal (22%). Mehr als dreiviertel aller tödlichen Unfälle (78%) ereigneten sich nicht draußen, auf öffentlichen Straßen, wo Leinen und Maulkorbzwang durchsetzbar wäre, sondern im engsten Revier des Hundes: im Haus, im Hof, im Zwinger. Viermal waren (einzeln lebende) Haushunde daran beteiligt und jedesmal war das Opfer das neugeborene Baby. 15mal aber, fast viermal so häufig waren Zwinger-, Hof- und Auslaufhunde beteiligt. Und elfmal waren ihre Opfer im Hof und Garten spielende Kinder (viermal die eigenen, siebenmal befreundete.)
Es ist richtig: in bewohnten Gebieten, in der Stadt gehören alle Hunde an die Leine, aber: Der "einsame Streuner" ist keine "Gefahr". Er ist nicht "angriffsbereiter" als eine streunende Katze: Er guckt bloß und geht wieder heim, egal ob er ein Pittie, Schäferhund oder Berner ist. Lassen Sie ihn Ruhe, dann lässt er Sie in Ruhe. Und das heißt:

Es gibt keine von sich aus und unter allen Umständen "gefährlichen Hunde". Es gibt nur mehr oder weniger gefährliche Situationen.
Die gefährlichste Situation, die, die alle Risikofaktoren in sich vereint und bei der alle Alarmglocken klingeln sollten, kann man in eine Formel fassen. Sie lautet: Frühling + Kinder + Zwingerhunde + Hunderevier = Lebensgefahr !!!
Vor dieser Gefahr aber schützen keine Verordnungen, Rasselisten, Wesensprüfungen, Chip oder Maulkorbzwang auf öffentlichen Straßen. Vor dieser Gefahr können Sie sich nur selber schützen. Und deshalb:
Halten Sie sich und ihre Kinder (!!!) fern von Grundstücken, auf den Zwingerhunde leben! Und:
Reißen Sie ihren Zwinger, Ihren Auslauf ab. Holen sie ihren Hund ins Haus.
Haushunde gehören ins Haus und Familienhunde gehören in die Familie!!! Aber DAS verlangt bis heute keine der vielen Verordnungen zum Schutz vor "gefährlichen " Hunden.

Mein Kommentar:
Frau Beckmann schreibt mir aus der Seele, was ich schon lange denke. Hunde gehören nicht an Ketten oder in Zwinger. Haushunde gehören, wie das Wort schon sagt ins Haus und nicht an die Kette. Familienhunde gehören in die Familie und nicht in den Zwinger. Ich selber würde meine Shelties nie im Zwinger hochziehen oder sie dort leben lassen. Genauso möchte ich auch meine Shelties weitervermitteln, in Familien.

Erst letzte Woche ist bei uns in Dorf folgendes passiert: ein Dackel ist auf den Hof eines an der Kette liegenden Hundes gelaufen. Gut gelaunt und freundlich wollte er Kontakt aufnehmen. Doch der Kettenhund hat den kleinen Dackel jämmerlich zerbissen. Muss das den sein?
Auf diesem Hof leben noch 2 Kinder. Jeden Tag gehen Freunde da ein und aus. Was kann da noch alles passieren?